| Es
gibt Situationen, wo wir glasklar wissen, was wir wollen oder
eben nicht. Aber sich innerlich über etwas klar zu sein,
reicht nicht aus, wenn andere beteiligt sind.
Nehmen
wir folgende Beispiele:
- Jemand
hat ganz offensichtlich Gefallen an Ihnen gefunden und bittet
Sie um ein Date. Aus Ihrer Sicht besteht jedoch kein Interesse.
- Sie
hatten einen gemeinsamen Urlaub mit einem Freund geplant,
der kurzfristig abspringt. Als Sie in der Arbeit enttäuscht
davon erzählen, dass der Urlaub dann wohl ins Wasser
fällt, sagt eine Kollegin freudestrahlend: "Kein
Thema, da wollt ich auch schon immer gerne hin. Ich komm
mit!"
Sie mögen die Kollegin zwar, aber gemeinsam in Urlaub
dann doch lieber nicht.
- Eine
Freundin ruft an und fragt, was Sie am Samstag machen. Sie
lädt einige Mütter und ihre Kleinkinder zum Kaffee
ein. Da Sie keine Lust auf Trubel haben, möchten Sie
nicht. Aber das kann man doch nicht sagen, oder?
Derlei Situationen kennt wohl jeder: Man fürchtet sich
davor, klar Stellung zu beziehen. Entweder weil man Angst
hat, den anderen zu verletzen, oder aber weil man sich in
Erklärungsnöten sieht, keine Lust auf eine Diskussion
oder gar keine wirklichen Argumente hat, sondern einfach
nur nicht will und möchte, dass der andere den eigenen
Standpunkt respektiert.
Folgenschwere
Ausflüchte
Bemüht
man nun Ausreden, provoziert man weitere Nachfragen oder
aber man erweckt einen grundlegend anderen Eindruck.
In dem
Moment, wo Sie einem Verehrer/einer Verehrerin nicht klar
sagen, dass Sie kein Interesse haben, sondern das Ganze
verstecken hinter "diese Woche ist ganz schlecht",
"ich fühle mich nicht so gut" oder gar "leider
habe ich zur Zeit so viel um die Ohren", halten Sie
die Türe für weitere Avancen weit offen.
Nett
gemeinte oder abschwächende Formulierungen wie "leider",
"ich würde zwar gerne, aber" tragen zudem
dazu bei, dass der andere sich ermutigt und bestätigt
fühlt.
Die
Folge von Ausflüchten:
- Man
sieht sich mit ein- und derselben Sache immer wieder konfrontiert.
- Fängt
man mit einer Lüge an, ist man schnell in einem Strudel
weiterer Lügen gefangen (heute ist es zu viel Arbeit,
morgen Bauchweh, übermorgen ist es eine Familienfeier
...).
- Man
ist genervt, weil es eine unendliche Geschichte wird.
- Man
ist sauer auf sich selbst, weil man nicht klar Stellung
bezogen hat und sich möglicherweise außer Stande
sieht, das nachträglich zu korrigieren und sich zu
seiner Lüge/Ausflucht zu bekennen.
- Man
fühlt sich schlecht, weil man die Unwahrheit sagt.
Zu
viel Interpretationsspielraum
Natürlich
gibt es auch die Variante, dass man GLAUBT, Klartext zu
sprechen, sich aber in der Wortwahl vergreift, so dass verschiedene
Interpretationen möglich sind.
Beispiel:
a) Kaffeetrinken
mit Müttern & Kindern am Samstag:
"Am Samstag kann ich nicht."
(... heißt auch: diesen Samstag geht es nicht, aber
bei nächsten Gelegenheiten ...)
b) Auf
die Urlaubsthematik kommt die Antwort:
"Gemeinsam in Urlaub zu fahren ist sehr persönlich,
das kann man gar nicht mit jedem - auch wenn man sich sonst
gut versteht."
(... kann die Kollegin freudestrahlend als Kompliment auffassen
und als Bestätigung, dass der Urlaub geritzt ist.)
c) Auf
die Frage, ob Sie mit jemandem ins Kino in Capote'
gehen:
"Nein danke. Den Film habe ich schon gesehen."
(... kommt an wie: Ach, der Film ist das Hindernis. Dann
gehen wir in einen anderen Film oder es muss ja auch nicht
unbedingt Kino sein, machen wir halt was anderes!)
Image-Schaden
Wenn
man nie wirklich Stellung bezieht oder sich immer schwammig
ausdrückt, gibt man kein gutes Bild ab.
Dazu
kommt natürlich, dass ständige Ausflüchte
auffallen - bzw. man sich selbst schlecht fühlt und
deshalb der anderen Person möglichst ausweicht, um
nicht wieder in die Bredouille zu kommen und lügen
zu müssen. Darunter leiden wiederum Beziehungen. Lassen
Sie es nicht so weit kommen und reden Sie - freundlich,
aber eindeutig - Klartext!
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