| Sehr
häufig treffe ich auf Menschen, die sich regelrecht verrückt
machen wegen anstehender Entscheidungen. Der einfachere Grund
ist, dass grundsätzlich zu viele Baustellen offen stehen
und man schlichtweg nicht weiß, wo anfangen. In diesem
Fall hilft es Ihnen, einen Anfangspunkt durch ein KO-System
zu finden. Wie das geht, lesen Sie in Übung
Nr. 12.
Schwieriger
wird es, wenn man überfordert ist. Entscheidungen wie
ein Arbeitswechsel, ein Umzug oder eine Trennung drängen
sich oft auf, weil etwas im Argen liegt: Schon längerwährende
Belastungen (etwa durch schlechte Arbeitsbedingungen) haben
ihren Tribut gefordert, etwaige Selbstzweifel werden immer
größer - oder man fühlt sich so unsicher,
aber gleichzeitig durch die Umstände oder andere Personen
dazu gedrängt, eine Veränderung herbeizuführen,
dass man keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.
Oft
führt das dazu, dass man körperlich und psychisch
leidet. Man will sich nicht mit der belastenden Entscheidung
auseinander setzen, fühlt sich aber als Loser bzw.
setzt sich unter Druck, nun endlich etwas zu tun. Und bloß
nichts Falsches!
In so einer Situation, also wenn Sie merken, dass Sie wirklich
am Ende sind und sich gar nicht in der Lage fühlen,
die Entscheidung zu treffen, ist es wichtig, die Priorität
richtig zu setzen. Und diese Priorität sind SIE.
Um eine
wirklich gute Entscheidung treffen zu können, ist es
elementar, selbstbewusst und stabil zu sein. Sind Sie das
nicht, wird Ihre Entscheidung dadurch beeinflusst. Zum Beispiel:
- Fühlen
Sie sich aus momentaner Schwäche und Demotivation heraus
nicht stark genug für eine Veränderung.
- Ist
Ihr Verhalten kontraproduktiv. Wenn Sie beispielsweise auf
dem Zahnfleisch daherkommen und sich Ihrer Fähigkeiten
total unsicher sind, sich aber trotzdem auf Stellensuche
begeben: Natürlich leidet darunter die Selbstpräsentation.
- Bewerten
Sie Ihre eigenen Fähigkeiten schlechter oder als unzureichend.
- Sind
Sie durch momentane Umstände so gedrückt und fühlen
sich wie ein Versager, dass Sie zu viel Gewicht auf die
aktuelle Entscheidungssituation legen (Diesmal MUSS ich
die richtige Entscheidung treffen und will nur mit 100%iger
Sicherheit einen neuen Weg beschreiten.).
- Angst
und Unsicherheit verstärken mögliche negative
Konsequenzen und Hindernisse unverhältnismäßig.
Damit ist weder eine ausgewogene Analyse der Situation möglich
noch ein klarer Blick auf Pro und Contra.
Besser ist es sich die Zeit zu geben, wieder zu Kräften
zu kommen, und erst dann, wenn die aktuelle Entscheidung
nicht mehr von Stress und Belastung überschattet wird,
ans Entscheiden zu gehen.
Sich
"Zeit geben" muss nicht bedeuten, dass Sie eine
dringende Entscheidung auf die lange Bank schieben. Es kann
auch ein entspanntes und relaxtes Wochenende sein, an dem
Sie sich der Gedankenmühle entziehen und sich nur um
sich selbst kümmern und dafür sorgen, dass es
Ihnen gut geht.
Sofern
Sie eine oder mehrere größere Entscheidungen
auf der Platte haben, überlegen Sie sich: Muss ich
das jetzt wirklich vom Zaun brechen? In der Regel ist es
völlig egal, ob es ein Vierteljahr oder ein halbes
Jahr oder sogar ein ganzes Jahr dauert, bis man größere
Veränderungen einleitet.
Stellen
Sie sich vor, jemand ist seit Jahren unzufrieden in seinem
Job. Plötzlich ist er am Nullpunkt angelangt und denkt:
"JETZT muss Schluss sein!" In diesem Fall ist
es aus genannten Gründen sehr unklug, direkt alles
hinzuwerfen. Viel schlauer ist es, sich erst einmal aufzupäppeln.
Zu lernen, sich um sich selbst zu kümmern. Und im Laufe
dieses Prozesses Schritt für Schritt
- sich aufzubauen
und
- realistische Optionen abzuwägen.
Das
Aufschieben der Entscheidung selbst muss ganz bewusst geschehen.
Tut man das nicht, fühlt man sich unter Druck, weil
im Hintergrund ständig die Unruhe von Ich-sollte-müsste
(und-hab-noch-immer-nicht) rumort.
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