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Entscheidungen - Tipp Nr. 9:
Wer sagt was? - Meinungen bewerten, Teil 1
 
 

In den letzten beiden Tipps ging es darum, gezielt andere Meinungen einzuholen und sich ganz bewusst für Input zu öffnen. Das ist nicht immer einfach, denn abgesehen davon, dass man etwas vielleicht nicht hören möchte oder eine andere Art von Feedback erwartet hatte, so sind wir alle ganz normale Menschen. Darum lassen wir uns natürlich auch schnell beeinflussen:

Nehmen wir an, zwei Menschen sagen exakt dasselbe. Person A ist eine nette, von Ihnen sehr geschätzte Kollegin. Person B ist in Ihren Augen ein unsympathischer Depp.

Abgesehen von der Tatsache, dass Sie der netten Kollegin vielleicht lieber und offeneren Ohres zuhören, hat ihre Meinung möglicherweise auch mehr Gewicht für Sie.


Wie Sie zu der Person stehen, hat höchstwahrscheinlich noch weitere Auswirkungen.
So haken Sie vielleicht bei der sympathischen Kollegin gerne nach, teilen auch eigene Ansichten oder Bedenken mit und können so noch mehr von der fremden Meinung profitieren. Das wird mit einem Gesprächspartner, dem Sie mit Antihaltung gegenüberstehen, sicherlich eher selten passieren. Vielleicht nehmen Sie ihm seine Aussage sogar übel, nur weil sie von ihm kommt.

Denken Sie aber bitte daran: Beide haben in unserem Szenario exakt dasselbe gesagt.

Auch wenn dieses Beispiel natürlich sehr plakativ gewählt ist, verstehen Sie, worum es mir geht: Beim Bewerten fremder Meinungen ist es zunächst einmal wichtig, die eigenen Automatismen zu verstehen und auch zu erkennen, wo man sich selbst die Wahrnehmung vernebelt. Denn Unsympath hin oder her: Inhaltlich kann sich hier eine wahre Perle an Feedback verbergen, die Sie nicht sehen können, wenn Sie die Meinung von vornherein in die Tonne treten.


Doch natürlich spielen beim Bewerten einer fremden Meinung noch weitere Aspekte eine Rolle:

Berücksichtigen Sie bei einer anderen Meinung immer, wer diese äußert und mit welchem Background und Blickwinkel. Erst recht, wenn die Person von der Entscheidung mitbetroffen ist.


a) Der andere Standpunkt:

Beispiel: Eine Jungmanagerin ist in der Zwickmühle, ob sie ein Auslandsjahr einlegen soll oder nicht. Sie würde wahnsinnig gerne die Chance wahrnehmen, in den USA zu arbeiten. Ihr Freund verklickert ihr, dass sie sich wahrscheinlich die Karriere verbaut, wenn sie ihren Job in der deutschen Niederlassung aufgibt.

Diese Meinung kann sehr wichtig sein und es mag gute Gründe für diese Einstellung geben. Das Ganze zeigt sich jedoch in einem anderen Licht, wenn der eigentliche Grund der ist, dass der Freund nicht alleine bleiben und deshalb auf Biegen und Brechen verhindern möchte, dass seine Lebensgefährtin ins Ausland geht.

Damit wir uns richtig verstehen: Selbstverständlich hat der Freund, da er mitbetroffen ist, alles Recht der Welt, ein Veto einzulegen und mit seiner Freundin seine Ansichten zu teilen.

Wichtig ist jedoch, dass man immer auch etwas näher hinschaut: Gibt es eine andere "Agenda", einen Eigennutz, der vielleicht dazu führt, dass mir jemand zu- oder abrät?
(-> Auch darum ist es so wichtig, qualitatives Feedback einzuholen)


b) Die andere Persönlichkeit

Auch Charaktereigenschaften und Lebensstile prägen selbstverständlich Vorgehensweisen.

Beispiel: Ein sehr sicherheitsbewusster Angestellter hat ein Angebot von seinem früheren Chef bekommen, in dessen neu gegründete Firma einzusteigen. Er fragt seinen Vater. Dieser rät ihm sofort zu.

Während der Sohn sehr vorsichtig und besonnen ist, ist der Vater eher ein No-risk-no-fun-Typ: Schnell entschlossen, risikofreudig ... und mit dem Grundvertrauen, dass es alles schon immer irgendwie gehen wird.

Berücksichtigen Sie immer auch, welcher Typ Mensch Sie ermutigt, ausbremst oder negatives Feedback gibt. Jeder von uns hat eigene Erfahrungen und einen eigenen Charakter, der unsere Einstellung und unsere Lebensweise selbstverständlich prägt. Das muss nicht immer ausgewogen sein: Es gibt Menschen, die ihr ganzes Leben lang alles sehr vorsichtig angehen und möglicherweise viele Gelegenheiten ungenutzt verstreichen lassen. Diese gehen völlig anders an eigene Entscheidungen heran - und das prägt natürlich auch das Feedback, das sie anderen Menschen geben.


c) Meine Beziehung zur anderen Person

Wie eingangs schon anhand eines Beispiels geschildert: Je nachdem, wie Sie zu der anderen Person stehen, hören Sie auch deren Meinung.
Fragen Sie sich darum: Wie stehe ich zu der Person? Wie nahe steht sie mir? Mag ich sie, ist sie mir egal, mag ich sie nicht? Oder kenne ich sie gar nicht richtig?

Kennen Sie das auch? Bei manchen Menschen möchte man schon aus Prinzip und Trotz anderer Meinung sein.

Beispiel: Eine Angestellte ist über Kreuz mit ihrer Schwester. Diese scheint eher auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen und zu allem Überfluss hat sie auch noch meistens Recht. Die Angestellte ertappt sich dabei, dass sie deshalb schon automatisch eine Gegenhaltung einnimmt: Würde ihre Schwester etwas überhaupt nicht tun, macht sie es erst recht - und umgekehrt.


d) Kompetenz

Ein weiterer wichtiger Aspekt für das Einordnen fremder Meinungen sollte sein, wie kompetent die Person ist - gerade wenn es um fachliche Fragen geht.

Beispiel: Ein Angestellter strebt eine Führungsposition an. Allerdings hat er kein Studium. Seine Freunde sagen ihm, dass er das eh abhaken kann: Denn ohne Studienabschluss bekommt er nie die Abteilungsleitung.

Auch wenn natürlich die Meinung anderer durchaus hilfreich sein kann, selbst wenn diese keinen fachlichen Background haben, so muss man den Einblick und die Kompetenz bei jeder Meinung mit berücksichtigen. Das heißt nicht, dass jemand vom Fach immer tolle und richtige Ansagen macht. Es bedeutet lediglich, dass Sie sich immer auch fragen: Welchen Background hat der/die andere? Wie schätze ich die Fachkompetenz ein?
Auch das können Sie übrigens viel besser beurteilen, wenn Sie qualitativ nachhaken.

 

 
   
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