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Übungen: Entscheidungsmuskeln, S. 2
 

Ergänzend zu unseren Entscheidungstipps finden Sie hier 30 praktische Übungen, mit denen Sie Ihre Entscheidungsfähigkeiten prüfen und optimieren können:

 

Übung Nr. 11: Was gehört dazu? - Konkretisieren.
Überlegen Sie sich mal, was Sie besonders gut können: Zum Beispiel:
- Ich kann gut mit Menschen.
- Ich bin ein Organisationstalent.
- Ich kann Probleme lösen.
- Ich überzeuge am Telefon.

Brechen Sie nun diese Stärken weiter runter: Woran machen Sie das fest? Welche Eigenschaften gehören dazu?

Sie werden ganz schnell merken, dass jeder dieser Einzelpunkte in Wirklichkeit eine ganze Menge weiterer Stärken in sich vereint. Doch diese würden Sie niemals wahrnehmen, wenn Sie nicht näher hinsehen.

Durch diese Übung schärfen Sie Ihren Blick für das Konkrete! Eine Sache (bzw. einen Gedanken) zu konkretisieren, ist die halbe Miete für richtigen Entscheidungen.

Übrigens ist auch eine schöne Dauerübung zum Konkretwerden, wenn Sie andere differenziert loben. Sie finden einen Service "toll"? Sie haben sich über eine Sache sehr gefreut? - Was GENAU war das denn? Machen Sie es sich zur Gewohnheit, ein Lob oder Kompliment so konkret wie möglich zu formulieren. Das schult nicht nur Ihre Fähigkeiten, sondern macht Ihr Lob noch viel hilfreicher und überzeugender für die Person, der es gilt.

 

Übung Nr. 12: Anfangspunkt durch KO-System
  Sie haben schon lange verschiedene Dinge vor? Es geht nicht nur um eine Entscheidung, sondern um viele unterschiedliche? - Oft nehmen wir uns so viele Sachen auf einmal vor, dass wir letztendlich gar nichts tun:

- weil man gar nicht mehr weiß, wo anfangen.
- weil man sich hoffnungslos überfordert (fühlt).


Sofern Sie sich in so einer Situation befinden, machen Sie die folgende Übung. Mit dieser ermitteln Sie einen klaren Anfangspunkt:

1. Schreiben Sie sich alle verschiedenen Ziele oder Entscheidungen auf, die Sie angehen möchten.

2. Ordnen Sie diese nun zunächst nach Wichtigkeit: Am besten verschiedenfarbige Textmarker nutzen und alles, was dringend/wichtig ist, separat kennzeichnen.
Machen Sie nicht mehr als drei Unterteilungen: wichtig/dringend - wichtig - unwichtig/wäre ganz nett. Alles was wichtig und dringend ist, ist das, was Sie gleich anpacken (während Sie alles andere zunächst außen vor lassen).

3. Den Rest können Sie nach KO-System ausschließen. Nehmen Sie sich immer zwei Dinge und wägen ab: Ist mir A oder B wichtiger (natürlich auch im Kontext sehen: Vielleicht muss ein Aspekt auf jeden Fall vor dem anderen angepackt werden)? Den als wichtiger eingestuften Punkt wägen Sie mit dem nächsten Eintrag ab usw.
Das, was übrig bleibt, ist der Aspekt, mit dem Sie loslegen.

Wenn Sie diese Ziel angepackt/die Entscheidung getroffen haben, wenden Sie sich wieder Ihrer Liste zu und machen weiter. Wenn es immer noch zu viel ist, um es auf einmal anzupacken, gehen Sie wieder nach dem KO-System vor.

 

Übung Nr. 13: Gefühle in Worte fassen
  Ihrem Bauch-Gefühl näher auf den Grund zu gehen, das können Sie im Alltag gut trainieren - auch wenn es nicht gerade um eine Entscheidungssituation geht.

In gefühlslastigen Situationen, z. B. wenn Sie nervös, traurig, ärgerlich, aggressiv, glücklich, ausgelassen sind oder sich total selbstbewusst oder auch "klein" fühlen, fragen Sie sich:

- Wie geht es mir genau? Finden Sie eine möglichst treffende Beschreibung dafür. Oft ist man hier nur unkonkret und sagt beispielsweise "Ich ärgere mich!" - Dabei geht es vielleicht gar nicht um Ärger, sondern um Genervtsein oder Enttäuschung o. Ä.

- Warum geht es mir so? Ein guter Ansatz ist die Frage: "Ich bin gerade (z. B. überglücklich/wütend) weil ..."

- Welches Bedürfnis/welcher Wunsch wird gerade nicht erfüllt?

- Welche früheren Erfahrungen tragen eventuell zu diesem Gefühl bei?

- Wie sieht mein Selbstbild aus? Wenn Sie beispielsweise große Angst davor haben, sich zu blamieren, dann werden Sie sehr viel nervöser und ängstlicher sein als jemand, der da gelassener ist.

Tipp: Schreiben Sie sich diese Beobachtungen auf. Wenn man schriftlich denkt, ist man nicht nur viel gründlicher, sondern kann mit den Erkenntnissen auch viel besser weiterarbeiten.

 

Übung Nr. 14: Sich an Gefühle herantasten
Kopflastige Menschen merken ihre Emotionen oft nicht in der Form, dass beispielsweise der "Bauch sich meldet". Oft formen sich eher eher solche Gedanken oder Sätze:

- Die Sache gefällt mir nicht.
- Das ist noch nicht rund.
- Da passt alles!
- Irgendwas fehlt mir noch ...

Nutzen Sie Ihren Kopf dazu, den Gründen für solche Aussagen auf die Spur zu kommen. Fragen Sie sich zunächst:

- Woran mache ich es fest, dass ... ?
- Was genau (gefällt mir nicht, ist noch nicht rund, passt noch nicht, fehlt ...)?
- Was müsste sein, damit (mir die Sache gefällt ...)?

Auf diese Weise können Sie Ihre Kopflastigkeit doppelt nutzen: Sie kommen in der Entscheidungssituation weiter, weil Sie konkretisieren. Und Sie kommen auch Ihrem bislang noch nicht klar formulierten Gefühl näher.

 

Übung Nr. 15: Bis zum Ende durchdenken
Gibt es eine Sache, die Sie ständig vor sich herschieben? Dann denken Sie diese einmal bis zum Ende durch.

Also nicht nur Schlagworte im Kopf wälzen à la
- Steuererklärung machen
- ein Buch schreiben
- ein paar Kilo verlieren
- den Streit mit X bereinigen.

Stellen Sie sich einmal ganz konkrete Fragen wie:

- Was heißt das genau für mich?
- Warum sollte/will/muss ich das endlich in Angriff nehmen?
- Wie lange schiebe ich es schon vor mir her?
- Was ist genau für "Arbeit" damit verbunden?

- Was für einen Nutzen habe ich, wenn ich das endlich in Angriff nehme/erledige a) auf die Sache bezogen und b) für mich, wenn ich es nicht weiterhin vor mir herschiebe?

Wenn Sie sich derlei Fragen einmal schriftlich beantworten, gewinnen Sie auf ganzer Linie: entweder an Einsicht, dass die Angelegenheit doch nicht so wichtig für Sie ist und Sie sie einfach als nicht mehr relevant oder nicht wichtig genug ad-acta legen. Oder aber, weil Sie Ihr Ziel und den damit verbundenen Aufwand - und Lohn - besser kennen lernen und sich auf dieser Basis endlich klarer damit auseinander setzen, anstatt immer etwas Schwammiges vor sich herzuschieben.

Das Konkretisieren zeigt Ihnen dann Hindernisse oder Befürchtungen auf, die es erstmal aus dem Weg zu räumen gilt. Und es dient als Grundlage, die Umsetzung richtig zu planen und loszulegen.

 

Übung Nr. 16: Reflektieren
Führen Sie sich frühere Vorhaben vor Augen - sowohl solche, bei denen Sie gut durchgehalten haben, als auch solche, bei denen Ihnen schnell die Luft ausging. Denken Sie dabei ruhig auch an Dinge aus Ihrer Kindheit und Jugendzeit:

- Was habe ich mir vorgenommen und konsequent durchgezogen? (z. B. Gitarre spielen lernen, lange Jahre eine Sportart betrieben, eine Trennung beschlossen und gelebt, auf etwas geduldig gespart, erfolgreich die Ernährung umgestellt)

- Was sind gescheiterte Vorhaben - vielleicht sogar mit mehreren Anläufen in der Vergangenheit?
(z. B. rauchen aufhören, mich beruflich verändern wollen - aber nichts dafür getan oder nur eine Bewerbung geschickt und bei der ersten Absage den Mut verloren, ein Fernstudium abgebrochen)

Nehmen Sie sich Ihre erfolgreichen und gescheiterten Vorhaben von früher genauer vor und lernen Sie daraus, wie wichtig - oder unwichtig - Ihnen die Sache war, warum Sie das jeweils angehen wollten (und wie Sie rückblickend darüber denken). Führen Sie sich vor Augen, was Sie damals dazu bewogen hat, nichts in die Richtung zu unternehmen oder vorzeitig aufzugeben.

Und lernen Sie vor allen Dingen auch aus den erfolgreich umgesetzten Entscheidungen: Was hat Sie besonders angetrieben, was war motivationsmäßig besonders kraftvoll, was hat Sie zum Durchhalten bewogen, wie ist es Ihnen gegangen (bzw. geht es Ihnen noch heute damit, wenn Sie sich dafür bewundern, wie Sie Sache X erfolgreich durchgezogen haben)?

 

Übung Nr. 17: Mini-Übung: Begründung
Im Fernsehen habe ich anlässlich der Wahl folgende Szene gesehen: Ein Informationsstand einer Partei ist aufgebaut. Man will Wählerstimmen sichern und informieren. Anwesend sind Leute, die sich zur Wahl aufstellen haben lassen.
Ein Besucher stellt die Frage: "Warum sollte ich Sie wählen?"

Die Antwort?
Ausweichendes Gestammel und weggehen.

Eigentlich ist es fast lustig: Die Person kann keine Gründe nennen, die für sie/ihre Partei sprechen. Mildernder Umstand: Den wenigsten Menschen gelingt das ad-hoc.
Keine Entschuldigung gibt es aber, sich für so eine Veranstaltung, bei der sich die Person genau zu diesem Zweck präsentiert, nicht vorzubereiten.

Nun schauen wir mal - angelehnt an das Entscheidungsbeispiel im Tipp Nr. 17 - wie Sie abschneiden.

Egal, ob Sie angestellt oder selbstständig - oder derzeit auf Arbeitssuche sind:

- Warum bin ich ein guter Mitarbeiter?
bzw.
- Warum sollte man mich beauftragen?

Sie können sich mit Schreibzeug behelfen: Schreiben Sie mal alles auf, was Ihnen dazu einfällt. Und anschließend bringen Sie es kurz und knackig in ein oder zwei Sätzen auf den Punkt.

 

Übung Nr. 18: Warum nicht im Alltag?
Denken Sie an Situationen im Alltag, wo Sie sich gegen etwas entscheiden, zum Beispiel:

- Das Essen im Restaurant schmeckt Ihnen nicht, Sie sagen aber nichts.

- Ein Freund möchte abends mit Ihnen weggehen, Sie haben keine Lust, sagen aber trotzdem zu.

- Ihr Chef fragt Sie, ob Sie abends länger bleiben können. Sie sagen nicht, dass Sie schon etwas vorhaben.

- Ein Verkäufer benimmt sich in Ihren Augen unmöglich, Sie möchten am liebsten den Laden verlassen, tun es aber nicht.

Situationen dieser Art kennt jeder. Auch wenn Sie zu den Menschen gehören, die in den genannten Beispielen prinzipiell schon zu ihrer Meinung stehen: Jeder kommt im Alltag in Situationen, in denen er nicht immer das tut, was er eigentlich tun möchte.

Lernen Sie aus diesen Alltagssituationen und analysieren Sie für sich anschließend schriftlich:
- Was genau ist da passiert?
- Was hätte ich am liebsten getan?
- Warum habe ich mich dagegen entschieden?
- Was habe ich statt dessen gemacht?
- Geht es mir mit dieser Entscheidung im Nachhinein gut oder nicht?

Durch solche Übungen werden Sie sich Ihrer Muster bewusst. Und Sie spüren Unsicherheiten oder Zweifel auf, an denen Sie weiterarbeiten können.

 

Übung Nr. 19: Was kann ich tun?
Nutzen Sie den Entscheidungstippletter diese Woche dafür, über etwas nachzudenken - und dann sofort etwas in die Wege zu leiten, mit dem es Ihnen besser geht.

Auch wie wir uns verhalten, ist unsere eigene Entscheidung. Denken Sie an eine Sache im Alltag, die Sie stört. Nehmen Sie sich eine dieser Kleinigkeiten vor, die vielleicht sogar schon so weit gediehen ist, dass es Sie wahnsinnig macht.

- die Essgeräusche des Kollegen vom Nebenschreibtisch.

- dass Ihr/e Lebenspartner/in ihre/seine Klamotten immer über alle Sessel wirft und da liegenlässt.

- der Chef, der morgens nie den Mund aufkriegt.

- die volle U-Bahn mit drängelnden Leuten.


Überdenken Sie derlei Situationen näher: Analysieren Sie sie, schreiben Sie auf, wie Sie darauf reagieren und wie es Ihnen damit geht.

Überlegen Sie sich dann, was Sie tun können, um diese Situation für sich zu "ent-stressen": Beispielsweise durch die Entscheidung, mit dem anderen darüber zu sprechen (keine Vorwürfe, sondern konstruktiv!), eine U-Bahn früher zu nehmen oder einfach einige Wagen weiter vorne einzusteigen, damit Sie der Drängelei entgehen.

Und natürlich auch Ihr innerliches Verhalten: Denn auch die Entscheidung, sich über etwas zu ärgern oder nicht, liegt bei Ihnen.

 

Übung Nr. 20: Bekanntmachen + zurückrudern

Gerade Entscheidungen, die den ganz normalen Alltag betreffen, bereiten uns oft Probleme. Themen wie

- ich höre zu rauchen auf
- ich fange eine Fortbildung an
- ich mache ab jetzt regelmäßig Sport

sind typische Beispiele: Man möchte gerne etwas verändern, hat sich auch entschieden loszulegen - ist aber nun in der Klemme:

- Soll ich es bekanntmachen, um etwas Druck zu haben? Immerhin will ich dann ja vor den anderen zu meinem Wort stehen. Außerdem kann ich auf diese Weise auch auf die Unterstützung anderer zählen.

- Oder, wenn ich es bekanntmache oder sogar schon rumerzählt habe, es aber doch nicht durchgehalten oder meine Meinung geändert habe: Muss ich das Thema dann vermeiden, gehe ich anderen Leute tunlichst aus dem Weg, damit ich gar nicht erst gefragt werde, oder gebe ich es offen zu und stehe am Ende als Loser da?

Die Aufgabe ist, dass Sie hinter sich stehen! Nutzen Sie die Unterstützung anderer und machen Sie Ihr Vorhaben bekannt. Wenn Sie von Haus aus unsicher sind, vielleicht, weil Sie schon einige vergebliche Anläufe gemacht haben, sagen Sie das ruhig dazu! Das nimmt Ihnen unnötigen Druck.

Gibt es aktuell so ein Thema, dann trauen Sie sich ruhig "zurückzurudern": Ja, ich wollte regelmäßig ins Fitnessstudio gehen. Mir ist es aber doch zu anstrengend abends. - Ich hätte gern mit dem Rauchen aufgehört, aber ich habe leider nach zwei Wochen wieder angefangen.

Für Ihre Entscheidungsfähigkeiten ist es ganz wichtig, dass Sie hinter sich und Ihren Entscheidungen stehen. Dazu gehört auch, dass Sie erkennen, wenn eine Entscheidung doch nicht das Wahre war oder wenn Sie, aus welchen Gründen auch immer, die Umsetzung momentan nicht schaffen.

Mit schlechtem Gewissen nach außen so tun als ob, wäre der falsche Weg. Diese Energie nutzen Sie besser dazu zu hinterfragen, woran es hakt und was Sie alternativ tun möchten. "Mehr Bewegung" kann auch der abendliche Spaziergang um den Block sein, anstatt gleich die Kardiostunde im Fitnessstudio.

Und was das "Zurückrudern" angeht, gefällt Ihnen vielleicht der folgende Spruch von Friedrich Nietzsche ebenso gut wie mir:
"Der denkende Mensch ändert seine Meinung."

 

   
 
   
   
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